Kindheit früher und heute – Zurück in die Natur

Früher spielten die Kinder viel im Freien. Sie trafen sich auf der Straße, im Hof, im Wald oder auf den Wiesen, spielten dort und gingen gemeinsam auf Entdeckungsreise. Draußen spielen war für die Kinder ein Inbegriff von Freiheit. Die Straße war ein Ort, an dem soziales Verhalten eingeübt, Absprachen getroffen und Spiele erfunden wurden. Hier wurde unabhängig von der Jahreszeit und vom Wetter gespielt. Es war ihnen egal, ob es regnete oder kalt war. Spielende Kinder im Freien sind heute selbst auf dem Lande immer weniger zu finden. Sie halten sich vor allem in den Häusern oder Wohnungen in ihren Zimmern auf. Die freien Bewegungsspiele werden ersetzt durch organisierte Spiel- und Sportangebote und sind somit auf bestimmte Zeit festgelegt. Fernsehen, Video- und Computerspiele fesseln die Kinder ans Haus. Nicht selten orientieren sich die Spiele am Fernsehprogramm. An die Stelle improvisierter, natürlicher Spielmaterialien sind Fertigspielwaren im Überfluss getreten. Dies alles führt dazu, dass Kinder heute immer seltener selbst tätig werden können, häufiger allein spielen, häufiger das Drinnen spielen bevorzugen, kaum Gelegenheit für freie, großräumige Bewegungsspiele haben.

Die Natur bietet alternative Bewegungsanlässe, die von den Kinder gern angenommen werden, die ihr Bewegungskönnen auf die Probe stellen und erweitern. Es gibt viel mehr Gelegenheiten, ihren Körper und ihre Sinne zu gebrauchen. Sinnliche Erfahrungen des Tastens, Riechens, Fühlens, Hörens und Sehens werden fast selbstverständlich und viel intensiver gewonnen. Der Geruch einer Blume an der man riecht, eine Biene die man dabei beobachtet wie sie in der Blüte den Nektar sammelt, Ameisen, die über Steine laufen und die vielen verschiedenen Vögel die man im Baum singen hört ermöglicht dem Kind viel mehr Erfahrungen all dieser Dinge als sie einfach nur im Fernsehen zu sehen. Es selbst mitzuerleben ermöglicht Kindern (und Erwachsenen) eine ganz andere Sicht auf die Dinge.

An was erinnern Sie sich aus ihrer Kindheit? Es sind die erlebten Momente, oder? Die tollen Ausflüge die Sie gemacht haben, das Gefühl, dass Sie hatten als Sie das erste mal etwas neues tolles gesehen und ausprobiert haben, das Gefühl, dass Sie hatten als Sie alleine auf den Baum geklettert sind – ganz ohne Hilfe und das damit verbundene Gefühl der Freude.

Draußen spielen ist bei jedem Wetter möglich und vor allem eine Frage der Kleidung. Mit der richtigen Kleidung hat das Spielen im Freien zu jeder Jahreszeit seinen Reiz. Die Erfahrungen von Kälte, Wärme, Nässe, den Wind erleben, in Pfützen springen und einen Drachen steigen lassen, in den Schnee fallen und merken wie kalt und kribbelig die Hände werden. Sie erfahren, dass Bewegung gegen das Frieren hilft, und dass man sogar bei Eis und Schnee schwitzen kann. All das sind Erfahrungen die man einem Kind nicht beibringen kann, es muss diese Erfahrungen selber machen und erleben. Kinder benötigen wieder mehr Freiraum für eigene Entdeckungen und Erkundungen; Nischen und Ecken, die sie auch einmal vor dem Zugriff durch die Erwachsenen bewahren, die sie selbst gestalten und entsprechend ihren Vorstellungen definieren können.

Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere habe ich täglich auf der Strasse gespielt, ich kann mich gar nicht daran erinnern Nachmittage drinnen vor dem Fernseher verbracht zu haben oder Langeweile gehabt zu haben. Meine Freunde wohnten alle in der Nachbarschaft. Die Nachbarn haben sich gefreut Kinder auf der Strasse zu sehen, haben und Plätzchen gegeben oder und uns zum Kakao eingeladen. Kinderlachen war kein Störfaktor sondern etwas was alle erfreute. Wir sind auf Bäume geklettert, haben Baumhäuser gebaut, wir haben mit Toastbrot versucht Enten zu angeln, haben Blumen gepflückt, sind auf Steine geklettert, hatten jeden Tag eine andere Idee. Wir waren oft lange draußen aber immer in Reichweite. Damals bedurfte es keinem Handy damit unsere Eltern wussten, wo wir sind und was wir machten. Zwischendurch haben wir uns immer mal wieder bei den Eltern gemeldet und sind wieder los gezogen. Unsere Eltern mussten nicht hinter uns her telefonieren – sie haben und vertraut. An machen Tagen haben wir Steine gesucht, sie angemalt und sie an die Nachbarn verkauft (gegen ein Plätzchen oder ähnliches), wir haben ein Seil über die Strasse gezogen und die Nachbarn durften nur durch wenn sie uns das Codewort genannt haben. All das war früher nichts gefährliches, nichts was sich nicht gehörte, keine Störung sondern es wurde mit Humor genommen, die Erwachsenen haben unser Spiel mitgespielt und uns glücklich gemacht. Wir hatten beim Abendessen so viel zu erzählen was wir alles den Tag über erlebt haben.

Ich bin oft traurig wenn ich sehe wie es einigen Kindern heute ergeht, sie kennen das gesamte TV Programm, wissen als Kind wie man Computer und Handy perfekt bedient, können Werbesport auswendig und wissen wer Dieter Bohlen ist, aber wenn sie draußen barfuß laufen dürfen sind sie erschrocken was das für ein Gefühl ist, wenn sie nass werden schreien sie weil es eklig ist und wenn sie hinfallen warten sie bis sie jemand wieder auf die Beine stellt, anstatt es selbst zu versuchen. Sie haben Angst vor Schmetterlingen obwohl sie etwas tolles sind, im Sand spielen bereitet ihnen Langweile.

Wir sollten den Kindern die Natur wieder näher bringen, jeder kann das tun. Gehen Sie zusammen mit ihren Kindern raus in die Natur – seien Sie als Eltern ein Vorbild. Fahren Sie in den Wald, sammeln Sie Blätter oder Tannenzapfen, beobachten Sie Vögel oder bauen einen Schneemann mit Ihrem Kind. Lassen Sie Ihren Kindern aber auch Zeit zum alleine entdecken, besprechen Sie wo sie sich aufhalten dürfen und vertrauen Sie ihnen.

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3 Gedanken zu „Kindheit früher und heute – Zurück in die Natur

  1. Das ist absolut richtig, es gibt nichts wichtigeres, als Kinder das Spielen und Entdecken in der Natur nahe zu bringen. Ich war als Kind auch ständig draußen und habe mit den Nachbarskindern gespielt. Und mein Kind soll das auch so erleben. Daher bin ich froh in einer Gegend zu leben, die einiger maßen sicher ist und in der es viel zu entdecken gibt. Wie schon im Artikel geschrieben, finde ich es auch traurig, das man heute kaum noch Kinder auf den Straßen spielen sieht, in unserer Straße war immer den ganzen Tag das spielen und lachen von Kindern zu hören. Heute ist es dort totenstill. Hoffentlich ändert sich das eines Tages wieder.
    Danke für diese wahren Worte.

  2. Ein hervorragender Artikel. Die Welt hat sich sehr stark verändert seit meiner Kindheit und einiges davon kann man nicht durch Technik ersetzen.

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